Der Fall Bin Hammam geht weiter. Nachdem Fußballjournalist James Dorsey über gestohlene Dokumente und dubiose Zahlungen zwischen dem Asiatischen Fußballbund und der World Sports Group (WSG) berichtet hat, klagt WSG Dorsey an.
Wenn in den vergangenen Monaten über Mohamed Bin
Hammam und den asiatischen Fußballverband berichtet wurde, ging es meistens um
das Thema Korruption und Geld. Hat der Qatari und ehemalige Präsident des Asiatischen
Fußball Verbandes (AFC) Bin Hammam mit viel Geld Stimmen für die Wahl zum Präsidenten der FIFA gekauft? Hat er seine Position als AFC-Präsident
missbraucht? Im englischsprachigen Raum gibt es wohl keinen zweiten
Journalisten, der so akribisch und lange über die Machenschaften der
Fußballfunktionäre berichtet hat wie James Dorsey. Jetzt wird er angeklagt, von
der World Sports Group aus Singapur. Dabei hat er nur getan, was ein Journalist
tut: er hat berichtet. Die World Sports Group (WSG), Marketingpartner des AFC,
hat allerdings etwas dagegen. Sie will mit allen Mitteln versuchen, an die
Namen von Dorseys Informanten zu kommen. Vor allem will sie den Journalisten aber
zum Schweigen zu bringen.
Das Geld ging direkt an Bin Hammam
Dorsey, der selbst in Singapur lebt, belegt seine
Behauptungen mit einem AFC-internen Bericht von PriceWaterhouseCoopers (PwC). Die
Wirtschaftsprüfer von PWC befassen sich unter anderem mit der Führung eines
AFC-Bankkontos. Sie lassen keine Zweifel offen, Bin Hammam habe das Konto
genutzt, als sei dies sein persönliches Konto gewesen. Ein weiterer Teil
befasst sich detailliert mit den Verträgen zwischen dem Asiatischen
Fußballverbund und der WSG. Geprüft werden im wesentlichen drei Punkte: die Art
und Weise, wie der Vertrag zwischen den Parteien verhandelt und aufgesetzt
wurde sowie die Eigenschaft des Vertrages und Bezeichnungen. Zuletzt ging es um
die zwei oben genannten Zahlungen. Die beiden Zahlungen gingen direkt auf das
Konto, welches Bin Hammam nutzte als sei es sein persönliches Konto. Von diesem
Konto wurde das gesamte Geld zu Bin Hammams tatsächlichem Privatkonto
überwiesen. „Es ist nicht klar, warum diese Zahlungen getätigt wurden und auch
nicht, wofür das Geld bestimmt war“, so der Journalist. Wie er an die internen
Unterlagen gekommen ist, bleibt sein Geheimnis. Es scheint, Bin Hammam habe das Konto des Fußballverbandes zur Geldwäsche benutzt, ein Grund warum der AFC die
Wirtschaftsexperten von PwC beauftragt hat. Die Zahlungen stehen mit großer
Wahrscheinlichkeit in Zusammenhang mit dem Vertrag der WSG. Der Report von PWC
wirft aber in erster Linie Fragen auf und gibt keine Schlussfolgerungen, Fragen
die die WSG zum Beispiel nicht beantworten will – im Gegenteil.
Rechtsangestellte der WSG, Stephanie McManus,
reagierte scharf auf Dorsey. Bereits vor der Veröffentlichung seines Artikels erklärte
sie ihm in einem Brief, seine Informanten müssten ein sehr detailliertes Wissen
über die von ihm aufgeführten Behauptungen haben. Sie forderte ihn auf, alle
Artikel über die WSG, die auf seinem Blog erschienen sind, umgehend zu löschen.
Er solle außerdem alle Quellen und Informanten offen legen. Nur wenige Tage
später erhielt Dorsey einen Brief von WSGs Anwälten mit der Aufforderung, sich
zu entschuldigen. In dem Schreiben heißt es, „ihre verzerrten und haltlosen
Äußerungen zeigen wie wenig repräsentativ ihre Informanten sind und zeugen von
ihrer Böswilligkeit.“
WSG will die Debatte ersticken
Dorsey zeigt sich von solchen Aussagen wenig
beeindruckt. „WSG stellt sich nicht den Anschuldigungen. Sie versuchen einfach
nur, die Debatte zum schweigen zu bringen. Sie wollen mich einschüchtern.“ Er
werde seine Quellen nicht offen legen und schon gar nicht aufhören zu
berichten. Und genau das versucht die World Sport Group. Die Firma hat beim
Gericht beantragt, Dorsey nach den Quellen und Informanten fragen zu dürfen.
Nun könnte WSG versuchen, dem Gericht weis zu machen, seine Angaben seien
schlichtweg falsch. Oder aber, WSG habe von seinen Berichten Schaden getragen.
In diesen Fällen könnte es dazu kommen, dass Dorsey alles auf den Tisch legen
muss.
ESPNSTAR.com Autor Jesse Fink beschreibt den Fall
nüchtern: „Dorseys Fall ist Zeitverschwendung“. Er kritisierte das Vorgehen
WSGs, geht gegen die Anschuldigungen gegen an. „Ich kenne Dorsey seit einiger
Zeit. Ich bürge für seine Professionalität, seine Intelligenz und seine Arbeit.
Seine Artikel zitiere ich regelmäßig und zwar nur aus dem Grund, weil sie
einfach gut sind.“ Auch Gianni Merlo, Präsident der International Sports Press
Association (AIPS) nahm Stellung: „Jeder Journalist hat die Pflicht, über die
Wahrheit zu berichten. Die Redefreiheit muss jedem Journalisten in jedem Land
gewährleistet werden, die Gerichte haben dafür zu sorgen.“ Für Merlo ist es
undiskutabel, dass mächtige reiche Firmen, versuchen würden, ihre Geschäfte vor
rechtlichen Konsequenzen zu verstecken.
WSG benutzt Dorsey als abschreckendes Beispiel,
was passiert, wenn Journalisten gegen sie berichtet – und wenn Informanten
auspacken. Sie beugen vor, damit in Zukunft keiner mehr wagt, gegen sie das
Wort zu erheben. Sollte WSG am Ende Recht bekommen, steht die Pressefreiheit
vor einer dunklen Stunde. Zweifellos hat keine Firma das Recht einen Journalisten
in so eine Situation zu drängen, die Pressefreiheit und Redefreiheit dermaßen zu
untergraben. Der Prozess gegen Dorsey kann sich hinziehen. In der Zwischenzeit
berichtet er weiter, über Bin Hammam, über die WSG, einschüchtern kann man ihn
nicht.
Dieser Artikel erschien am 21. September 2012 auf 11FREUNDE.
Dieser Artikel erschien am 21. September 2012 auf 11FREUNDE.
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